„Liebes Tagebuch …“

Um ehrlich zu sein: Tagebuchschreiben ist nicht mein Ding. Allerdings, und das ist mein Problem, ich würde gerne Tagebuch schreiben. Im letzten Urlaub habe ich es nun erneut versucht und mit Day One Fotos und Kurzgeschichten digital festgehalten.

  • Dies und Das

Worin ich immer gut war ist Sammeln: Ich finde es toll, später in Erinnerungskisten zu kramen und dabei alte Fahrkarten oder Eintrittskarten zu finden. Meist fallen mir dann die Geschichten drumherum wieder ein, aber eben nicht immer. Ein Tagebuch wäre dann hilfreich. Kurz vor der Abreise in den Familienurlaub stieß ist durch Zufall in einem Tweet von Manuela Hoffmann auf die aktualisierte Mobilversion von Day One, das ich bisher nur als Desktop-App kannte. Ein neuer Versuch.

Day One bietet auf dem iPhone eine schlichte, gestalterisch ansprechende Oberfläche, die mit einigen netten Clous das Herz höher schlagen lässt. Die großen Buttons, die die App einleiten, laden zum schnellen Schreiben und Fotografieren ein, darunter befinden sich die thematischen und kalendarische Übersichten. Das Interface ist dabei so angelegt, dass die Einstellungen erst beim nach oben Ziehen sichtbar werden: wunderbar unaufdringlich.

Das Tolle an Day One ist, dass der Platz zum Schreiben zunächst so wirkt, als ob nicht mehr als ein Tweet hineinpassen würde (prima, Tweets schreiben kann ich) und doch gibt es keine Zeichenbegrenzung (noch besser, dann wird der Eintrag auch einmal länger). Schön sind zudem die Einbindung des aktuellen Ortes und Wetters, Informationen, die insbesondere beim späteren Stöbern sehr interessant sein können. Der Editor unterstützt Markdown, auch wenn wir die dazugehörige Formatierungsleiste erst beim zufälligen Wischen über den Screen entdeckt haben. Als einziges Manko erwiesen sich die langen Ladezeiten bei Fotografieren – warum dieser Vorgang den Ablauf der App verzögerte war für mich nicht ersichtlich, zumal es sich um eine Standardfunktion des Telefons handelt.

Day One scheint tatsächlich wie eine Offline-Version von Path und doch bietet es zwei Synchronisierungsoptionen: iCloud und Dropbox. Auf unserer Reise haben wir uns für Letzteres entschieden, da wir problemlos verschiedene Geräte der Familienmitglieder mit einem gemeinsamen Dropbox-Account verknüpfen und so ins selbe Tagebuch schreiben konnten. Dies hatte den – und hier komme ich auf den Anfang zurück – angenehmen, anspornenden Effekt, dass ein kleiner Wettstreit entstand, wer schon etwas oder gar am meisten eingetragen hatte. Nichts ist besser, um Schreibfaulheit zu überwinden!

Day One gibt es auch für das iPad und den Mac, allerdings lassen diese Versionen entweder die Schlichtheit der iPhone-App vermissen (iPad) oder sind schlicht auf dem falschen Gerät: wer schreibt schon Tagebuch auf seinem Arbeitsrechner (Mac)?

Day One für das iPhone kann ich allen verzweifelten Tagebuchmuffeln nur herzlich empfehlen. Uns hat es zu einer tollen Urlaubsdokumentation verholfen.