In den letzten Tagen ist viel von Meinungswechsel und Kehrtwende die Rede: „Nun also doch Gauck als Präsident“. Interessant fand ich zu beobachten, wie zügig sich zeitgleich die Meinung auf Twitter zu ändern schien: von contra Wulff zu contra Gauck.
Konkret ging es um den Vorwurf, Herr Gauck stünde im Widerspruch zu so ziemlich allen der sogenannten Netzgemeinde wichtigen Themen. Mich hat das ein bisschen verwundert, es ging mir etwas zu plötzlich, denn ich habe Joachim Gauck bisher als abwägenden Menschen wahrgenommen. Seltsamerweise verbreitete sich die auf Twitter gestartete Welle auch unreflektiert in den klassischen Medien beziehungsweise ihren Onlineablegern. Kurz darauf stieß ich – wieder über Twitter – auf einen Beitrag von Patrick Breitenbach auf dem Blog der Karlshochschule, der diese Entwicklung aufgriff und beleuchtete:
Als sich gestern im Laufe des Tages solche Schlagzeilen gegen Gauck mehrten, machte ich aus meiner Verwunderung eine Tat: Ich begab mich auf die Suche nach den jeweiligen Originalquellen, denn die einzigen Artikel, die immer wieder als Quelle zum Beleg und Unterfütterung der Anti Gauck Aussagen verwendet wurden, waren eben die, die eine Quelle fragmentarisch interpretiert haben und sie nicht 1:1 in voller Länge wiedergaben. Oder anders formuliert: Ich vermisse bei diesen Artikeln den Satz davor und den Satz danach, denn der Kontext eines Gespräches ist schon wichtig, um sich ein Gesamtbild des Themas zu verschaffen, gerade wenn Aussagen aus einer Rede oder einer Podiumsdiskussion entnommen werden.
Ein interessantes Stück Recherchearbeit. Darauf Bezug nehmend gibt es mittlerweile ähnliche Beiträge bei Cicero und Spiegel Online, das ein schönes Fazit findet:
Die deutschsprachige, digitale Öffentlichkeit – Netzgemeinde wie Online-Medien – muss sich in Teilen einen Vorwurf machen lassen, den sie mit Vorliebe Dritten vorhält: mangelnde Online-Kompetenz. In diesem Fall fehlende Kenntnis darüber, wie einer der wichtigsten Bausteine des Internet, das Zitat, richtig zu verwenden ist. Abraham Lincoln wäre sehr enttäuscht.
Genau so, wie man „den Medien“ sagen muss, dass „Internet“ oder „Youtube“ als Quellenangabe nicht reichen, muss man „dem Netz“ auch sagen, dass ein Tweet noch keine Wahrheit macht. Twitter ist wahrlich wie Stille Post und wir alle wissen, wie viel dabei am Ende vom Anfang übrig bleibt. Aber wenn wir dann auch noch retweeten, ohne die Dinge zu hinterfragen, sind wir die Klatsch- und Traschtanten des Stadtteils.
Netz hin oder her, wir sollten alle das Nachdenken nicht vergessen.
Vor anderthalb Jahren begann das Projekt Selbstständigkeit, vor einem Jahr folgte die Gründung des Büros für Web- und Textgestaltung. Nun gibt es einen überarbeiteten Internetauftritt, der uns und unsere Projekte vorstellt: hananils.de.
Der zentrale Gedanke unserer Seite war es, zwei Bereichen eine Bühne zu schaffen:
Da alles möglichst kompakt dargestellt werden sollte, haben wir uns für einen kombinierten Seitenaufbau entschieden, der die Projekte oben und die Texte unten zeigt – unser Kontakt dient als Schieber zwischen beiden Teilen und soll einen zunächst unauffälligen, dann überraschenden Übergang beider Ebenen ermöglichen. Die Umsetzung ist ein kleines Experiment, denn die Zweiteilung des Layouts baut sich über das Scrollen der Seite auf: URLs müssen dynamisch geändert, Inhalte bei Bedarf nachgeladen werden. Ein mehrseitiges Layout versteckt sich auf einer einzigen Seite, und kommt doch ohne Hash-URL à la Twitter aus (#!).
Das Experiment hat Spaß gemacht, auch wenn – wie immer – die Feststellung gilt, dass man sich selbst der schlechteste Auftraggeber ist.
Wer Interesse hat, wie wir die Seite technisch umgesetzt haben, kann einen Blick in den Quelltext werfen. Wir sind für Fragen und Anregungen offen.
Wer Lust auf eine eigene Seite bekommen hat, kann uns kontaktieren. Wir machen gerne noch eine.
Im vergangenen Herbst brachte der britische Guardian seine Zeitung auf das iPad. Reichlich spät könnte man meinen, doch die Macher haben sich mit gutem Grund Zeit gelassen: die App ist die erste Tageszeitung auf dem iPad, die mich wirklich überzeugt.
Die iPad-Version startete mit einer großzügigen Testphase bis Anfang dieses Jahres, so dass es möglich war, sich wirklich über einen längeren Zeitraum einen Überblick zu verschaffen. Die Gestaltung ist modern, dem Gerät angemessen, sie versucht nicht die Zeitung aus Papier nachzuahmen. Und dennoch geht der visuelle Stil des Guardians nicht verloren, was insbesondere auf die bekannte Schrift- und Farbwelt zurückzuführen ist. Artikel sind als Seiten nebeneinander angeordnet, die Texte selbst scrollbar – wunderbar!
Eine ausführliche Besprechung der App mit Bildern und Hintergründen gibt es beim Ministry of Type. Dort bringt es Aegir Hallmundur auf den Punkt:
Die Einfachheit und Gradlinigkeit der Guardian-App wird für eine ganze Weile (ähnlich wie die iPhone-Version zuvor) Inbegriff dessen sein, wie die Dinge gemacht werden sollten.
Last autumn, British newspaper The Guardian released its own iPad app. Quite late as one could say, but the developers took their time for a good reason: in my eyes, this is the first truly convincing daily newspaper app created for the iPad.
The iPad version came with a generous testing period that ended early this year, making it possible to really get an overview over a longer span of time. The app’s design is modern, fits the device and does not try to imitate the paper version. Nevertheless, the Guardian’s visual style is maintained by sticking to the well-known colour scheme and font selection. All articles reside on pages side by side, the content itself is scrollable - wonderful!
A detailed review of the app with screenshots and background information has been posted by the Ministry of Type. Aegir Hallmundur summarises it perfectly:
The simplicity and straightforwardness of the Guardian app is (like its iPhone version before it) going to stand for quite a while as the acme of how these things should be done.
Gute Icons zu erstellen ist eine hohe Kunst. Ein gelungenes Set, das sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreut, ist Pictos von Drew Wilson. Jeder, der auch nur ein bisschen im Netz surft, wird es zumindest auszugsweise schon einmal gesehen haben. Nun gibt es ein neues Angebot, das die Icons als personalisierbaren Webfont bereitstellt: Pictos Server.
Ähnlich wie bei den Webschriftanbieter Typekit oder Fontdeck werden die Icon-Schriften über einen kurzen Code-Schnipsel in eine Webseite eingebunden. Dabei lassen sich die integrierten Icons gezielt auswählen. Für Webdesigner eröffnet dies neue Möglichkeiten, denn Icon-Fonts verbrauchen wenig Speicherplatz: sie laden schneller als statische Grafiken und lassen sich zudem ohne Qualitätsverlust skalieren. Einen interessanten Beitrag gab es hierzu in der Adventszeit von Jon Hicks zu lesen, der sich für eine Einbindung die neuen data-Attribute zu Nutze machte. Auch wenn, wie Eric Eggert in einer Antwort deutlich machte, noch einige Probleme zu lösen sind, entwickeln sich die Möglichkeiten von Webicons in eine interessante Richtung.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, für wen sich der Service von Pictos Server lohnt, denn mit 49 $ für das Einsteiger- und 99 $ für das Profipaket empfinde ich die Preise derzeit noch als sehr teuer. Wie viele Icons verwendet eine durchschnittliche Seite schon? Wenn das Einbinden von ein paar Icons am Ende genau so viel kostet, wie die vollständige Schriftbibliothek von Typekit, werden die meisten mit Sicherheit weiterhin auf angepasste Pixelgrafiken zurückgreifen. Pictos macht sich mit seinen Vektor- und Pixelsets selbst Konkurrenz. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier langfristig preislich noch etwas tut.
Nachtrag vom 25. Januar 2012: Das ging schnell – nun gibt es auch ein zusätzliches Starterpaket für 19 $.
The fine art of creating professional icons is only mastered by a handful of people. Drew Wilson is one of those few: he created Pictos, an icon set that has been very popular over the last years. Anyone surfing the web will have come across it to at least some extent. Now there is a new service available that provides the icons as personalised web fonts: Pictos Server.
Similar to web font hosters like Typekit or Fontdeck, the icon fonts will be included as short code snippets. The service also offers options to bundle only a selection of needed icons. This opens up new options for web designers, because icon fonts use less disk space: they load faster than static graphics and they can be scaled losslessly. In this matter, Jon Hicks published an article about using fonts to add icons to websites by making use of the new data attributes just before Christmas. Even if there are still a few problems to be solved as Eric Eggert pointed out in response to that article, things are moving into an interesting direction.
For me there is only one general question: who is Pictos Server aimed to? With $49 for the basic and $99 for the pro plan, subscriptions are still quite expensive in my eyes. How many icons need to be served to a common website? If you need to pay as much money for only a few icons as you would for the entire Typekit library, I guess many people will stick to customized pixel graphics. With its vector and pixel sets, Pictos is competing itself. Let’s see how prices will change over time.
Update, January 25th 2012: That was fast – there’s now an additional personal plan for $19.
Das Fernsehen der letzten Jahre hat mich nur selten beeindruckt, und so ist es dem Zufall zu verdanken, dass ich kurzfristig die Ankündigung las, Das Erste würde abends die „in Großbritannien umjubelte“ BBC-Serie Sherlock ausstrahlen. Ein Glücksgriff.
Bis dahin hatte ich noch nichts von dieser Neuadaption des Klassikers von Sir Arthur Conan Doyle gehört, doch meine stille Liebe zu britischem Humor und englischen Krimiserien machte mich neugierig. Es sollte ein Fernsehabend werden, der mich nachhaltig faszinieren sollte: Mit der Serie Sherlock holt die BBC nicht nur Arthur Conan Doyles Erzählungen in die Neuzeit, sondern beeindruckt mit einer ungewöhnlich verzahnten Bild- und Textsprache.
Die Modernisierung des Stoffes erfolgt fast nebensächlich. Ich vermag nicht einzuschätzen, wie eingefleischte Sherlock-Holmes-Fans die Serie aufnehmen, denn sie ist aus meiner Sicht tatsächlich ein Bruch mit dem Klischee des Holmes wie man ihn kennt. Nikotinpflaster anstelle einer Pfeife, Taxis und Busse anstelle des historischen, viktorianischen Londons. Dieser Sprung ins Getümmel der Großstadt mit ihren Glasfassaden tut der Serie gut: Es ist jetzt scheinbar eine Krimiserie wie jede andere, nur dass sich niemand amüsiert, dass da jemand Sherlock Holmes und Doktor Watson heißt.
Was die Reihe von anderen unterscheidet, ist die Einführung einer zusätzlichen Ebene: Schlussfolgerungen Sherlocks, Textnachrichten und das Internet legen sich als Zusatzerzählung in Texteinblendungen über den Film.1 Es wird davon ausgegangen, dass der Zuschauer ganz selbstverständlich die Verbindung herstellt, wenn Textnachrichten an der Wand hinter John Watson erscheinen oder wenn Sherlock per Gestensteuerung den Wetterbericht auf seinem Smartphone abruft. Text und Bild verschmelzen, lästige Gegenschnitte mit Nahaufnahmen von Handys oder Computern erübrigen sich.2 Diese Engführung der Text- und Bildebene schafft eine ungewöhnlich dichte Fernsehästhetik, die das Erzähltempo hoch hält.3 Handlung und Gedanken der Hauptpersonen spielen sich so auch für den Zuschauer zeitgleich statt.4
Auch wenn der Audiokommentar der DVD anderes andeutet, ist diese Darstellungsform nicht neu. Bereits MK12 griff für den Hollywood-Film „Schräger als Fiktion“ auf diese Methode zurück, um die von Struktur und Zahlen geprägte Welt des Harold Crick zu visualisieren:
Nichtsdestotrotz ist die Umsetzung bei Sherlock gelungen, denn sie wird nicht als bloßer Effekt sondern als die Handlung tragendes Element eingesetzt.
Ein interessantes Detail ergibt sind in der deutschen Fassung der Serie: Die für die Texteinblendungen verwendeten Schriften werden ausgetauscht, teils auch vereinheitlicht. Kommen im Original die AF Generation Z und P22 London Underground zum Einsatz,5 greift die deutsche Übertragung fast ausschließlich auf die FF Officina zurück. Eine Ausnahme bilden die Übersetzungen von Blogeinträgen, die im Englischen allerdings nicht als Einblendung gezeigt, sondern vom Laptop abgefilmt werden.
Nun muss ich persönlich zugeben, dass mir die Typografie der deutschen Version besser gefällt – sie wirkt präziser gesetzt, ausgewogener. Allerdings verschiebt sich die inhaltliche Bedeutung der Einblendungen. Nicht in dem Sinne, dass die deutsche Übersetzung falsch wäre, nein, aber mit den verwendeten Schriften sind unterschiedliche Assoziationen verbunden.
Denn das Original setzt zwei Zeichen: Die AF Generation Z verweist einerseits auf die Generation Internet mit Ihren Handys und Mobilgeräten, andererseits setzt die P22 London Underground ein klar britisches Ausrufungszeichen. Beide Schriften passen trefflich zur Serie, denn sie unterstreichen sowohl den Aspekt der Modernisierung als auch die Zugehörigkeit der Figuren zur Stadt London.
Die deutsche Version spart den britischen Aspekt gänzlich aus und mit der FF Officina wählt sie eine Schrift, die auf die Zeit vor dem Handy und der weiten Verbreitung des Internets verweist. Erik Spiekermann, der Entwerfer der Schrift, schrieb in anderem Kontext auf seinem Blog:
[G]edacht war die Schrift damals Ende der 80er Jahre für die Korrespondenz, als Ersatz für die Schreibmaschinenschrift, mit der sie etliche Merkmale teilt.
Es würde mich interessieren, aus welchen Gründen für die deutsche Fassung diese Anpassung vorgenommen wurde. Zufall oder Konzept? Ich weiß es nicht.
In Großbritannien ist soeben die zweite Staffel gestartet, die bei uns im Sommer im Ersten gezeigt werden soll. Wer Spaß an Sherlock hat, kann sich derweil die Zeit auf der Webseite Sherlockology vertreiben, die alles Mögliche rund um den einzigen „consulting detective“ sammelt.
Leider gibt die BBC auf Anfrage keine Standbilder zur Verwertung frei, weshalb ich nur auf den offiziellen Trailer von Polyband verweisen kann, der zumindest einige wenige Einblendungen beinhaltet. ↩
So erfrischend auch der Umgang mit Texteinblendungen ist, so sehr erschreckt es, wenn tatsächlich einmal Computerinterfaces im Bild zu sehen sind. Die gestalterische Arbeit wirkt hier wie von vorgestern, wie aus einer deutschen Krimiserie der 90er Jahre. Die Anspielungen sind klar: Mephone anstelle von Mobile Me – man hätte sich hier visuell vom Vorbild jedoch einiges abschauen können. ↩
Unterstützt wird das Tempo durch einen sehr fließenden Schnitt, der mit Überblendungen und Einschüben arbeitet. Auch die sehr moderne, kinoartige Musik mit ihrem treibenden Rhythmus tut ihr Weiteres. ↩
All dem muss ein langer, kreativer Prozess vorangegangen sein, denn die vor kurzem erschienene DVD beinhaltet den nicht ausgestrahlten Pilotfilm der Serie, der einen erstaunlich offenen Einblick in die Entstehung und Verfeinerung eines Fernseherlebnisses gibt. ↩
TV hadn’t impressed me in a while and so it was pure luck that I discovered German broadcaster Das Erste would air the “acclaimed BBC series” Sherlock that one evening. Lucky me!
Until then, I hadn’t heard of this new adaptation of Sir Arthur Conan Doyle’s classic stories, but my silent love for British humour and British crime series made me curious. It was a fascinating experience: not only does the BBC bring Arthur Conan Doyles stories to the present, they also impress with a special kind of story-telling that combines visual and textual language.
All modernisations are done casually. I don’t know how hardcore fans of Sherlock Holmes might feel about it, but for me, the series is a real break with the clichee of Holmes as we know him. Nicotine patches instead of pipes, taxis and busses instaed of historic, Victorian London. City lights, a metropolis’ glass fronts – all this is a step forward: now, it seems to be just a crime series like any other - besides the fact that no one is amused that there is a Sherlock Holmes and a Doctor Watson.
What makes Sherlock special, is the introduction of an additional layer: deductions, text messages and websites overlay the acting as accompaning story.1 As if it was the most normal thing in the world, the audience is expected to make a connection between text messages appearing on the wall behind John Watson or weather broadcasts Sherlock is browsing with gestures on his smartphone. Text and image form a unit, no annoying counter-cuts with close-ups of mobile phones or computers needed.2 This combination of textual and visual layers creates very close and special television aesthetics, keeping the narrative pace high.3 This way, action and thought of the main characters coincide for the audience.4
Even if the audio commentary of the DVD suggests something else, this has been done before. MK12 used this method in Hollywood movie “Stranger than fiction” to visualise Harold Crick’s world of facts and figures:
Nevertheless, the way Sherlock makes use of this technique is felicitous as it’s not just a purely visual effect but an essential part of the story.
There is an interesting detail regarding the German version of the series: the fonts used for text overlays have been replaced and unified. While the original series makes use of AF Generation Z and P22 London Underground,5 the German version uses FF Officina nearly exclusively. An exception are translations of blog entries that are shown directly on laptops on screen in the original version.
Personally, I have to admit that I prefer the typography of the German version – it looks more precise and balanced. But it changes the content’s connotation. Not in the sense that the German translations are wrong, no, but regarding the associations around the fonts in use.
The original makes two statements: on the one hand, AF Generation Z connects to the internet generation with its mobile phones and devices, on the other hand P22 London Underground sets a clearly British exclamation mark. Both fonts fit the series because they underline the aspects of modernisation as well as the affiliation of the main characters to the City of London.
The German version excludes the British aspects completely and chooses a font that connects to the times before mass distribution of mobile phones and the internet. In different context, Erik Spiekermann, designer of FF Officina, wrote on his blog:
After all, when Officina was designed in the late 80s, it was meant to be used in correspondence, to replace typewriter type. It subsequently shares quite a few of those characteristics.
It would be interesting to know for which reasons fonts have been replaced in the German adaption. Coincidence or concept? I can only guess.
These days, the second series started in the UK – German TV will broadcast it this summer. Meanwhile, you can have a look at Sherlockology, a fan site adicted to Sherlock, gathering facts and figures around the world’s only “consulting detective”.
Sadly the BBC doesn’t offer stills of the series containing the overlays, so I can only link to the official trailer for the German DVD by Polyband showing at least a few overlays. ↩
As refreshing the text overlays may look, as shocking are the computer interfaces shown on screen. Their designs look like from the year dot. You get the references: Mephone instead of Mobile Me - but why didn’t they take visual inspiration as well? ↩
The continuous cutting with its fadings and insertions supports the story’s tempo. And the very modern, cinematic music gives it an additional drive. ↩
It must have been a long, creative process to create the series’ styles as you can see when watching the unaired pilot that comes with the first series’ DVD: it give a surprisigly open and honest insight on how things evolved. ↩
In den vergangenen Monaten ist es auf dieser Seite ziemlich ruhig gewesen, denn hinter den Kulissen haben wir fleißig gearbeitet, um hier alles ein bisschen zu straffen und für weitere Änderungen vorzubereiten.
Einige alte Artikel und Funktionen fehlen noch, diese werden wir nach und nach ergänzen. Ziel ist es die Seite kontinuierlicher weiterzuentwickeln, sowohl gestalterisch als auch inhaltlich. Johannas Seite zeigt sich ebenfalls in neuen Gewand.
It has been quiet here for the last months as we’ve been silently working on improvements to this site, to make things more maintainable and extensible for us.
Some old articles and functions all still missing, but we will add them back step by step. The goal is to develop this site more continuously, speaking of both design and content. Johanna’s site has been restyled as well.
Eigentlich bin ich für einen Jahresrückblick reichlich spät. Aber es ist viel passiert, das eine kleine Verzögerung entschuldigt. Also, was war 2011 so bemerkenswert?
Bereits Ende 2010 hatte sich angedeutet, dass ich beruflich andere Wege einschlagen würde. Anfang 2011 ging es dann los: gemeinsam arbeiten Johanna und ich nun Vollzeit in unserem neu gegründeten Gestaltungsbüro hana+nils. Unser Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung von Webseiten und Texten, stets mit einem Auge auf Typografie. Wir haben mit einigen sehr interessanten Projekten beginnen können, die nach und nach auf unserer Webseite einsehbar sein werden. Vielen Dank unseren Auftraggebern für die freundliche und intensive Zusammenarbeit!
Für die Umsetzung unsere webbezogenen Projekte setzen wir seit Jahren auf das Redaktionssystem Symphony und so hat es uns sehr gefreut, dass im Herbst des Jahres das zweite Symposium in Köln stattgefunden hat. Vielen Dank Jonas und Michael, die mit uns die Organisation übernommen haben. Es hat Spaß gemacht, viele Symphony-Nutzer weiterzusehen und andere endlich im realen Leben zu treffen. Danke Euch allen für Euer Kommen!
Der prägendste Moment des Jahres war privater Natur: Am 4. August 2011 kam unserer kleiner Sohn Max zur Welt. Sein Lächeln und Lachen macht jedes Geschrei vergessen. Auch wenn die Nächte kürzer geworden sind, kann ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Gerade schläft er still und friedlich: vielen Dank, so habe ich Zeit zum Schreiben!
Es gibt immer wieder Motive, die sich durch ein Jahr ziehen. Für mich ist es eine kleine britische Serie gewesen, die uns viel Freude bereitet hat: Sherlock. Wie es scheint, entwickele ich eine gewisse Leidenschaft für britische Krimiserien. Dieser Tage startete in Großbritannien die zweite Staffel – ich bin gespannt, wie es weiter geht.
Und jetzt auf ins Jahr 2012 …
I’m a little late for a review of the year’s events. But a lot has happened that justifies my delay. So, what was that remarkable in 2011?
Since the end of 2010 it has been clear that something would change in my working life. Finally, early 2011, Johanna and I founded our own design studio hana+nils. We now work full time designing websites and texts with an eye on typography. We were lucky to start with a few very interesting projects that we will show on our website over time. A big thank you to all our clients.
We have been using Symphony as our content management system for all web related projects for years and we have been very happy that the second Symposium took place in Cologne in autumn. Many thanks to Jonas and Michael who organised the event with us. It was fun to meet a lot of Symphony developers and users again and to get to know others in real life for the first time. Thanks all for coming!
The most important moment of the year has been a private one: on August 4th 2011 our little son Max was born. His smiles and laughter make me forget the screaming. Although the nights have become shorter, I can’t imagine life without him anymore. Right now he’s sleeping peacefully: that’s my writing time, thanks boy!
There are always themes that go along with the year. For me, this has been a short British TV series we thoroughly enjoyed: Sherlock. It seems like I’m developing a passion for British detective stories. These days, the second series started in the UK – I’m curious to see how the story will evolve.
And now I’m off for 2012 …
Unser digitales Zeitalter führt zu Fragen, die früher nicht gestellt werden mussten. Digitale Lesegeräte eröffnen neue Möglichkeiten, die das Buch erweitern werden. Dafür ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, was das Buch eigentlich ausmacht und was nicht.
Das vergangene Jahr ist für das Buch sehr spannend gewesen. Der Verkaufsstart des iPads war für viele, insbesondere in der Verlagsbranche, ein Hoffnungsschimmer, alte Kundenschichten halten und neue binden zu können. Dabei erstaunt es, wie wenig insbesondere etablierte Verlage auf die Möglichkeiten digitaler Lesegeräte vorbereitet zu sein schienen, und so überrascht es kaum, dass es hitzige Diskussionen gegeben hat, inwieweit es überhaupt ein Geschäftsmodell geben kann, wenn doch alle ein kostenfreies Internet erwarten und zur Verfügung haben. Meiner Meinung nach liegt die Lösung hierfür in der Qualität des Angebots, denn überzeugt ein Produkt, bin ich bereit, dafür Geld auszugeben. Damit qualitativ hochwertige digitale Bücher entstehen können, müssen sich Autoren, Produzenten und Gestalter jedoch ihrer Sache sicher sein. Im Falle des Buches bedeutet dies, dass sie klar definieren können müssen, was ein digitales Buch ist und was nicht. Dazu gehört auch, es von seinem analogen Vorgänger abgrenzen zu können, ohne den Nutzen des gebundenen Buches in Frage zu stellen. Denn wenn alles richtig gemacht wird, sind beide Varianten des selben Motivs und haben beide ihre Existenzberechtigung.
Das gebundene Buch hat zentrale Vorteile: es ist portabel, es braucht keinen Strom, es passt sich dem Umgebungslicht an, da es nicht selbsttätig leuchtet. Darüber hinaus besticht es vor allem durch seine Verständlichkeit: Wir kennen Bücher seit Jahrhunderten, wir sind uns ihrer Grundstrukturen bewusst, wir wissen, wie wir sie zu handhaben haben – sowohl auf Seiten des Lesers als auch auf Seiten des Autors und des Gestalters. Es gibt Seiten mit Text und Bildern, eine Gliederung in Kapitel, einen Umschlag, der die wesentlichen Aspekte des Buches zusammenfasst. Es gibt schlicht inhaltliche und gestalterische Konventionen, die sich über einen langen Zeitraum erprobt haben.
Das digitale Buch ist anders, vielleicht lässt es uns aus diesem Grund derzeit noch etwas ratlos zurück, denn wir wissen eben noch nicht, wie ein digitales Buch genau ist, was wir von ihm zu erwarten haben. Ein zentraler Unterschied ist die Trennung von Buchinhalt und -gestalt vom eigentlichen Lesegerät: das, was ich in der Hand halte, ist nicht mehr das Buch, sondern eine Hülle für unbegrenzt viele Bücher. Ein abstrakter Container mit Benutzeroberfläche. Damit verbunden sind einige grundlegende Schwierigkeiten: zwar ist das digitale Lesegerät universell, aber es braucht Strom. Ohne Strom kein Buch. Darüber hinaus leuchtet es selbstständig, selten in der richtigen Helligkeit, sondern abhängig vom Umgebungslicht, meist zu dunkel oder zu hell. Dies ist eine technische Problematik, die – blickt man zurück, was sich technisch in der vergangenen Zeit getan hat – mit Sicherheit in wenigen Jahren gelöst sein wird.
Bleiben die Inhalte: Auch sie scheinen vordergründig gebundenes und digitales Buch von einander zu trennen, denn das digitale Buch besteht nicht mehr nur aus Texten und Bildern. Es ist multimedial und entsprechend verlangt es Autoren wie Lesern eine Menge ab. Filme, Tondokumente, Animationen ergänzen das inhaltliche Spektrum und – sofern gewünscht – ist es sogar möglich, den Leser mit dem Buch interagieren zu lassen. Hierbei handelt es sich allerdings nur um verschiedene Ausformungen der Inhalte, es verbindet beide Seiten ein gemeinsamer Kern: das Wissen, die Erzählung, die Verknüpfung von Inhalten und der Drang, den Leser zum Nach- und Weiterdenken anzuregen. Wenn also das digitale Buch das Publizieren auf eine neue Ebene bringen will, wenn es dem Leser eine neue Qualität des Lesens bieten möchte, dann muss die Aufbereitung der Inhalte besonders und anregend sein.
Das vergangenen Jahr hat aufgezeigt, dass viel zu viel mit Oberflächlichkeiten gearbeitet wurde, mit hilflosen Metaphern. Eine Aspekt macht dies für mich besonders deutlich: die Reduktion des Buches auf das Umblättern. Sicherlich verbindet jeder mit dem gebundenen Buch das Papier, die Seite und das Umblättern. Aber im Ernst: Wer hat schon einmal – abgesehen von bibliophilem Interesse – wegen des Umblätterns ein Buch gelesen? Das Umblättern spielt für den inhaltlichen Kern des Buches keine Rolle, es ist vielmehr ein Beschränkung des Objekts. Eine Notwendigkeit. Natürlich bietet das Umblättern einige Nebeneffekte, die erzählerisch genutzt werden können: es schafft eine Pause, ein Innehalten. Da aber alle digitalen Lesegeräte dem Leser die Möglichkeit bieten, die Schriftgröße zu verändern, ist der Seitenumbruch keine feststehende Instanz mehr. Er verändert sich, wird beliebig. Das Umblättern wird zu einer inhaltlich leeren Hülle, die den Lesefluss unterbricht. Denn es stellt sich die Frage, warum der Leser überhaupt umblättern soll, wo doch digitale Medien von der Begrenzung des Papierformates befreit sind. Es gibt eine in alle Richtungen offene Bühne, die bespielt werden kann, und es gibt ein Methode, die seit zwei Jahrzehnten eingeführt und etabliert ist: das Scrollen.
Die meisten digitalen Veröffentlichungen des vergangenen Jahres haben mich ernüchtert zurückgelassen. Es gibt aber eine ganze Reihe von neuen Ideen, die ich für die Entwicklung des Buches hoch spannend finde und die es wert sind, in einigen Jahren rückblickend erneut betrachtet zu werden.
Im vergangenen Jahr gab es für mich insbesondere zwei lesenswerte Autoren, die sich mit dieser Thematik auseinander gesetzt haben: Oliver Reichenstein von den Information Architects und Craig Mod, Buchautor und -gestalter. Interessanterweise leben beide Autoren in Japan beziehungsweise haben bis vor kurzen dort gelebt. Hervorheben möchte ich einige ihrer Texte, die ich jedem, der sich für dieses Thema interessiert, zur Lektüre empfehlen kann:
Physical books and e-books are both text at their cores. Book designers long ago established rigorous rules for laying out text blocks so they disappear to the reader. They took pride in turning the physicality of a book into a tool for efficiently and elegantly getting information into the mind of the reader. As any good typographer knows: the best typography goes unnoticed. Our e-readers seem to have forgotten this heritage. They’ve forgotten that their core purpose is simply to present text as comfortably as possible; to gently pull the reader into the story. Every other aspect of experiencing a book is predicated on this notion.
Embracing the digital Book von Craig Mod
You often hear the argument that the iPad is all new and the Internet is all shit (too cold, too technical, not pretty enough), so the nerds should be ignored. After all, the iPad is closer to printed magazine than that damned Internet, right? No, it’s not. It’s a touch screen device. Touch SCREEN device. The fact that you touch it doesn’t mean that it’s like print. As a matter of fact it’s lightyears away from print.
iPad: Scroll or Card? von Oliver Reichenstein
In printed books, the two-page spread was our canvas. It’s easy to think similarly about the iPad. Let’s not. The canvas of the iPad must be considered in a way that acknowledge the physical boundaries of the device, while also embracing the effective limitlessness of space just beyond those edges. We’re going to see new forms of storytelling emerge from this canvas. This is an opportunity to redefine modes of conversation between reader and content. And that’s one hell of an opportunity if making content is your thing.
Books in the Age of the iPad von Craig Mod
Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich das Buch in der digitalen Welt entwickelt. Gute Ansätze sind da, die hoffentlich bald so manchen hilflosen Versuch der Verlagsindustrie vergessen machen werden.
Bereits lange vor seiner eigentlichen Ankündigung hat das iPad für Gesprächsstoff gesorgt, die Verlagsindustrie schien in freudiger Erregung. Und in der Tat eröffnet das iPad neue Möglichkeiten des Publizierens, neue Orte des Lesens. In der vergangenen Woche hat Die Zeit eine eigene App ihrer Wochenzeitung herausgebracht. Trotz der verlegerischen Erfahrung, trotz der Möglichkeiten des Geräts steht ein neues Zeitungserlebnis leider noch aus.
Die Zeit ist nicht die erste deutsche Zeitung, die sich mit einer eigenen App auf den digitalen Zeitungsmarkt wagt. Vielmehr hat sich der Verlag Zeit genommen, Erfahrungen mit dem Gerät zu sammeln, das nun keine reine Idee mehr ist, sondern in den Händen gehalten und benutzt werden kann. Mittlerweile kennt man die Vor- und Nachteile des iPads und kann realistischer planen als dies noch Anfang des Jahres nach den ersten Ankündigungen der Fall war. Für Die Zeit ist der Weg auf das iPad der Ausgangspunkt in die Erweiterung ihrer digitalen Publikationen. Die Zeit als Zeitung, als Webseite und als App sollen einen Dreiklang bilden, der mit einem ehrgeizigen Ziel verbunden ist, wie die Redaktion auf ihrem Blog ankündigte:
Journalistisch bietet [die App] das aktuelle Angebot von ZEIT ONLINE sowie die gesamten Inhalte der Wochenzeitung DIE ZEIT. Im Detail bietet Ihnen die App also intelligente Einordnung und Analyse des Tagesgeschehens. Dazu kommen, wie von ZEIT ONLINE gewohnt, minutenaktuelle Nachrichten, hochwertige Fotostrecken und Videos. Wir haben das Ziel, ZEIT ONLINE zur führenden Plattform für anspruchsvolle Leserdebatten auszubauen. Daher war uns sehr wichtig, dass Sie sich direkt aus der App an den Debatten der großen Themen des Tages beteiligen können. Die in der App verfassten Kommentare erscheinen dann ebenfalls direkt unter den Artikeln in der Website.
Das beschriebene Konzept ist begrüßenswert, denn die Kernkompetenzen des Verlags, Die Zeit und Zeit Online, werden als Ausgangspunkt genommen und um weitere interaktive Funktionen ergänzt. Als Leser kann man sich also entscheiden, welches Angebot man nutzen will: Je weiter man in das digitale Angebot eintaucht, desto mehr Optionen erhält man (ausgehend von der Zeitung über die Webseite hin zur verknüpfenden App).
Leider gibt es ein Problem, das dieses Modell ins Wanken bringt: Der Grundbaustein, die Zeitung Die Zeit selbst, bleibt in der App-Version nur als Bruchstück, als eingefrorene Zeitungsseite bestehen. Letztendlich bietet die App für die Wochenausgabe der Zeit nur einen Container, der eine Text- und eine Originalansicht der Zeitungsseite beziehungsweise ihrer Artikel beinhaltet. Eine Vernetzung zwischen Print- und Webausgabe der Zeit findet nicht statt. Es gibt keine Möglichkeiten, sich Artikel der Printausgabe zu speichern, zuzuschicken oder auf sie zu verlinken. Lediglich die eingebundene Zeit-Webseite bietet diese Funktionen. Die Möglichkeit der Archivierung, die Möglichkeit sich als Leser Artikel als Referenz aufzuheben fehlt in Bezug auf die Printausgabe vollständig. Sollte eine Zeitung doch eigentlich Ausgangspunkt von Gesprächen und Diskussionen zu einem Thema sein, wird hier die Arbeit mit dem Text blockiert. Auch das Kopieren oder Markieren von Textpassagen ist nicht möglich. Man kann im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr aus der Zeitung ausschneiden.
Doch was passiert, wenn der Speicherplatz des iPads voll ist und man neue Ausgaben laden möchte? Dieses Problem ist nicht bedacht oder der Verlust von Informationen einkalkuliert.
Es scheint, als herrsche großes Misstrauen gegenüber den eigenen Leser oder vielmehr den eigenen Kunden, die bereit waren, für Die Zeit zu bezahlen, da sie ihre Artikel wertschätzen. War es früher gang und gäbe, eine gelesene Zeitung oder zumindest einen Teil oder eine Seite an einen Freund weiterzugeben, bekommt man hier so gleich das Gefühl, man gehöre zu den Raubkopierern, die geistiges Eigentum nicht wertzuschätzen wissen, nur weil man seinem Vater einen Artikel weiterreichen möchte. Dabei sind all dies Dinge, die wir in der papiernen Welt gewohnt sind. Und es sind doch gerade die Dinge, die wir an dieser Welt schätzen. In der neuen digitalen Welt herrscht Furcht bei den Verlagen und diese Furcht nimmt dem Leser die Freude: Die Informationen sind kaserniert und der Leser darf sie nur zu den eingeräumten Besuchszeiten unter Aufsicht einsehen.
Dies ist verwunderlich, da das bisherige E-Paper-Abonnement nicht über solch drastische Beschränkungen verfügte. Es erstaunt auch, dass lediglich Zeit Online als Ausgangspunkt für Diskussionen angesehen wird, womit das Flagschiff, Die Zeit selbst, auf seltsame Weise in den Schatten gestellt wird. Insgesamt scheint die Harmonie des Dreiklangs aus der Zeit als Zeitung, als Webseite und als App noch nicht gefunden zu sein. Die Zeit als Zeitung und als Webseite scheinen sich als Gegensätze gegenüber zu stehen, als ob getrennte Redaktionen für sie zuständig seien. Entsprechend gelingt der App nicht beide Komponenten zusammenzuführen.1
Derzeit scheint der primäre Fokus, wie auch der Namen der App — Zeit Online Plus — schließen lässt, auf dem Online-Angebot zu liegen: Die Zusatzfunktionen, wie Favoriten, Rankings beziehen sich allesamt auf das Webangebot des Verlages. Wenn dies der Fall ist, fragt man sich allerdings warum der Verlag den aufwendigen Weg einer App-Entwicklung gegangen ist, zumal diese nur auf der von Apple gelieferten Plattform funktioniert und nicht für andere Systeme zur Verfügung steht.2 Ein Ausbau der Funktionalität der Webseite hätte hierfür ausgereicht. Die leitende und filternde Rolle, die eine abgeschlossene Zeitungsausgabe gegenüber dem sich ständig wandelnden Internet einnehmen können, wird im Kontext der App nicht genutzt.3
All dies mögen konzeptionelle Entscheidungen sein, über die man schlicht verschiedener Meinung sein kann. Hinzu kommen leider einige handwerkliche Entscheidungen, die bei der Benutzung störend auffallen:
Zeitungen werden auch in der digitalen Welt gebraucht. Doch Zeitungen müssen dafür auch Zeitungen bleiben, sie sind keine Webseiten und kein Hochsicherheitstrakt. Wollen die bisherigen Zeitungsangebote überleben, müssen sie mutiger und selbstbewusster sein. Hoffen wir, dass Die Zeit ihre App diesem Motto folgend nachbessert.
Es stellt sich grundsätzlich die Frage, warum eine App diese beiden Seiten zusammenführen muss: Warum ist eigentlich Die Zeit selbst nicht Teil von Zeit Online? Nicht als E-Paper, sondern als über den Browser aufrufbare Zeitung, im Layout von Zeit Online mit einem Link zum PDF der Zeitungsseite. Natürlich nur abrufbar für registrierte Abonnenten. Für Nicht-Abonnenten könnte man den ersten Absatz als Anreißer zur Verfügung stellen und die Kommentare zum Artikel zeigen, um so einen Anreiz zum Erwerb eines Abos zu bieten. Wie solche Auffangseiten aussehen können, zeigt die New York Times in ihrem Reader. ↩
Das iPad bietet eine zentrale Neuerung: Es ist ein echter Sofacomputer, der den Fokus von der Arbeit (Desktop-Computer und Laptops) auf den Medienkonsum verschiebt. Man kann wie in einem Buch schmökern. Das Gerät ist dabei tatsächlich nichts anderes als ein Touchscreen: Um diesen sinnvoll mit Inhalten zu füllen, benötigt man keine App, man benötigt ein Konzept, welche Inhalte man wie präsentieren möchte. Diese Konzepte hätte man lange vor dem iPad entwickeln können und müssen, aber bis heute gibt es kein verbreitetes, einfaches Micropaymentsystem, auf das in Deutschland im Internet flächendeckend zurückgegriffen werden kann. Dies ist ein grundlegendes Versäumnis der Verlage in den vergangenen Jahren. ↩
Wichtig ist hier: Dem Internet muss ich als Nutzer aktiv folgen, ich muss selber filtern und gewichten, eine Auswahl treffen. Eine Zeitung übernimmt diese Rolle für mich und sortiert vor. Je größer die Flut an Informationen wird, desto wichtiger wird diese inhaltliche Betreuung für den Leser, sodass das Konzept Zeitung eigentlich an Bedeutung gewinnen müsste. Der Veröffentlichungsrhythmus einer Zeitung bietet hier klare Vorteile: Es ist kein permanenter Nachrichtenticker, es ist ein abgeschlossenes Produkt in einem verlässlichen Umfang. Etwas, das für den Leser überschaubar ist und das er meint, bewältigen zu können. ↩
Jürgen Siebert vom Fontblog beschreibt unter dem Titel „Leerer Einkaufswagen mit Radsperre“ treffend die Untiefen, die Interessenten beim Testen erwarten. ↩
Letzte Woche kam es in der Post, das erste Buch der Reihe „A Book Apart“. „HTML5 for Web Designers“ machte mich neugierig: Was gibt es über HTML5 zu erfahren, und wie machen eigentlich Webgestalter Bücher? Jeremy Keiths Buch hält, was es verspricht: kurz und knapp fasst es zusammen, was Webgestalter über HTML5 wissen sollten.
Genau an dieses Versprechen sollte man sich beim Lesen aber auch immer wieder erinnern, denn tiefe Einsichten kann das Buch nicht eröffnen. Wer nur wenige Blogs zum Thema Webgestaltung oder Webentwicklung verfolgt, wird die Rahmenbedingungen kennen. Dementsprechend stellt Jeffrey Zeldman bereits im Vorwort klar:
Es gibt andere Bücher über HTML5 und es wird noch viele mehr geben. Es wird 500 Seiten starke, technische Bücher für Entwickler geben […] doch dieses Buch ist für Euch – Euch, die Webinhalte erstellen, die Webseiten mit Sinn und Semantik anlegen und die zugängliche Benutzeroberflächen und -erlebnisse gestalten.
Diesem Grundsatz folgend, ist das Buch ein gute Zusammenfassung.
In sechs Kapitel nimmt Jeremy Keith den Leser auf eine kurze Reise. Ausgehend von einer kurzen Geschichte des Markups, die sich mit den Wirren um XHMTL 2 und HTML 5 (mit und ohne Leerzeichen) auseinandersetzt, kommt er zu den Grundsätzen, die bei der Entwicklung des neuen Standards HTML5 eine entscheidende Rolle gespielt haben. Der Tonfall des Textes ist locker, es geht dem Autor nicht um eine Stellungnahme oder Kritik der Entwicklung. Vielmehr steht er mit dem Leser auf einem Hügel, blickt in alle Richtungen ins Tal, und hilft einen schnellen Überblick zu finden.
Das Kapitel Rich Media richtet seinen Fokus auf das, was HTML an neuen gestalterischen Mitteln mitbringen wird: Canvas, Audio- oder Videoeinbettung. Neben der Vorstellung neuer Elemente, richtet Keith sein Augenmerk auf die Umsetzung und zeigt, wie man sinnvolle Rückfalloptionen einrichten kann. Keith macht darüber hinaus auf humoreske Weise deutlich, dass nicht alle neuen Möglichkeiten auch genutzt werden sollten: Die Verwendung des Attributs autoplay in Verbindung mit der Option loop würde beispielsweise den geballten Zorn des Autors auf sich ziehen. Ich bin mir sicher, nicht nur seinen.
Web Forms 2.0 führt schließlich in die erweiterten Möglichkeiten der Formulargestaltung ein. Neue Attribute, die gängige JavaScript-Implementierungen überflüssig machen werden (z. B. Platzhaltertexte) oder Feldtypen, die es ermöglichen werden, spezifische Eingaben für E-Mail-Adressen oder Datumsangaben browserunterstützt zu vereinfachen. Keith vergisst hierbei nicht, dem Leser einige Zeilen JavaScript an die Hand zu geben, die die Verfügbarkeit dieser neuen Möglichkeiten abfragen.
Die abschließenden Kapitel beschäftigen sich dann mit der Semantik beziehungsweise ihrer Anpassung in der neuen Spezifikation sowie mit der Alltagstauglichkeit von HTML5 im Jahre 2010.
Das Buch ist eindeutig ein Buch von Webgestaltern für Webgestalter. Technisch interessierte Leser werden an vielen Stellen müde lächeln. Für den klassischen Gestalter bietet das Buch jedoch einen wirklich schnellen Überblick, der mit rund 85 Seiten zügig zu lesen ist.
Jason Santa Maria hat bei der Gestaltung gute Arbeit geleistet. Der Textaufbau ist durchdacht, die Spalten haben eine angenehme Lesebreite. Allerdings fällt etwas auf, das mir schon bei zahlreichen aus dem Webumfeld stammenden Büchern ins Auge gestochen ist: der Text sitzt viel zu dicht im Bund. Gerade bei klebegebundenen Büchern, die sich – ohne der Bindung zu hart zu Leibe zu rücken – nicht so weit aufblättern lassen, lässt dies den Text dicht und eng in der Doppelseitenmitte stehen. Mehr Raum wäre hier wünschenswert.1
Man merkt dem Buch ansonsten an, dass sein Gestalter visuell im Netz geprägt ist. Insbesondere die Schriftwahl macht dies für mich sichtbar. Während die FF Yoga eine schöne Wahl für den Fließtext ist, wirken die Titling Gothic für die Überschriften und die Consolas wie aus einer Webseite entsprungen. Blau als Auszeichnung für Links ist eine Altlast des Netzes, warum sie hier übertragen wird, obwohl natürlich keiner der Verweise direkt verfolgbar ist, bleibt mir unklar. Die Nutzung von Kurz-URL im Fließtext, die in voller Länge erst in der Fußnote aufgelöst werden, scheinen ein Experiment zu sein, das man überdenken sollte.
Auch wenn das Buch genau das macht, was es am Anfang versprochen hat, einen kurzen Überblick zu geben, wünscht man sich an einigen Stellen mehr Informationen. Nicht, das man konkret das Gefühl hätte, es fehlt etwas, aber es geht teilweise sehr flott voran. Es stellt sich die Frage, wer die Lücke schließen wird, zwischen dieser Schnelleinführung in HTML5 und den „500 Seiten starken, technischen Büchern“, von denen Zeldman die Reihe in der Einführung abgegrenzt hat. Vielleicht ist hier einfach wieder der Sprung ins Netz gefragt. Als Ausgangspunkt dieser Suche, ist das Buch sehr zu empfehlen.
Jeremy Keith:
HTML5 for Web Designers.
A Book Apart: New York 2010
ISBN 978-0-9844425-0-8
Das Buch ist in englischer Sprache verfasst und kostet 18$ zuzüglich 9$ Versand nach Deutschland.
Anscheinend bin ich bei uns nicht der Einzige, dem dies aufgefallen ist: http://twitter.com/hannahoerrmann/status/17942373367 ↩