Ein Jahr Büro für Web- und Textgestaltung

Blick ins Büro

Vor anderthalb Jahren begann das Projekt Selbstständigkeit, vor einem Jahr folgte die Gründung des Büros für Web- und Textgestaltung. Nun gibt es einen überarbeiteten Inter­net­auf­tritt, der uns und unsere Projekte vorstellt: hananils.de.

Der zentrale Gedanke unserer Seite war es, zwei Bereichen eine Bühne zu schaffen:

Da alles möglichst kompakt dargestellt werden sollte, haben wir uns für einen kombinierten Seitenaufbau entschieden, der die Projekte oben und die Texte unten zeigt – unser Kontakt dient als Schieber zwischen beiden Teilen und soll einen zunächst unauffälligen, dann überraschenden Übergang beider Ebenen ermöglichen. Die Umsetzung ist ein kleines Experiment, denn die Zweiteilung des Layouts baut sich über das Scrollen der Seite auf: URLs müssen dynamisch geändert, Inhalte bei Bedarf nachgeladen werden. Ein mehrseitiges Layout versteckt sich auf einer einzigen Seite, und kommt doch ohne Hash-URL à la Twitter aus (#!).

Ein Jahr Büro für Web- und Textgestaltung

Das Experiment hat Spaß gemacht, auch wenn – wie immer – die Feststellung gilt, dass man sich selbst der schlechteste Auftraggeber ist.

Wer Interesse hat, wie wir die Seite technisch umgesetzt haben, kann einen Blick in den Quelltext werfen. Wir sind für Fragen und Anregungen offen.

Wer Lust auf eine eigene Seite bekommen hat, kann uns kontaktieren. Wir machen gerne noch eine.

Das neue Lesen: The Guardian

The Guardian – iPad-App

Im vergangenen Herbst brachte der britische Guardian seine Zeitung auf das iPad. Reichlich spät könnte man meinen, doch die Macher haben sich mit gutem Grund Zeit gelassen: die App ist die erste Tageszeitung auf dem iPad, die mich wirklich überzeugt.

Die iPad-Version startete mit einer großzügigen Testphase bis Anfang dieses Jahres, so dass es möglich war, sich wirklich über einen längeren Zeitraum einen Überblick zu verschaffen. Die Gestaltung ist modern, dem Gerät angemessen, sie versucht nicht die Zeitung aus Papier nachzuahmen. Und dennoch geht der visuelle Stil des Guardians nicht verloren, was insbesondere auf die bekannte Schrift- und Farbwelt zurückzuführen ist. Artikel sind als Seiten nebeneinander angeordnet, die Texte selbst scrollbar – wunderbar!

Eine ausführliche Besprechung der App mit Bildern und Hintergründen gibt es beim Ministry of Type. Dort bringt es Aegir Hallmundur auf den Punkt:

Die Einfachheit und Gradlinigkeit der Guardian-App wird für eine ganze Weile (ähnlich wie die iPhone-Version zuvor) Inbegriff dessen sein, wie die Dinge gemacht werden sollten.

ministryoftype.co.uk

Pictos Server

Pictos Server

Gute Icons zu erstellen ist eine hohe Kunst. Ein gelungenes Set, das sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreut, ist Pictos von Drew Wilson. Jeder, der auch nur ein bisschen im Netz surft, wird es zumindest auszugsweise schon einmal gesehen haben. Nun gibt es ein neues Angebot, das die Icons als personalisierbaren Webfont bereitstellt: Pictos Server.

Ähnlich wie bei den Webschriftanbieter Typekit oder Fontdeck werden die Icon-Schriften über einen kurzen Code-Schnipsel in eine Webseite eingebunden. Dabei lassen sich die integrierten Icons gezielt auswählen. Für Webdesigner eröffnet dies neue Möglichkeiten, denn Icon-Fonts verbrauchen wenig Speicherplatz: sie laden schneller als statische Grafiken und lassen sich zudem ohne Qualitätsverlust skalieren. Einen interessanten Beitrag gab es hierzu in der Adventszeit von Jon Hicks zu lesen, der sich für eine Einbindung die neuen data-Attribute zu Nutze machte. Auch wenn, wie Eric Eggert in einer Antwort deutlich machte, noch einige Probleme zu lösen sind, entwickeln sich die Möglichkeiten von Webicons in eine interessante Richtung.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, für wen sich der Service von Pictos Server lohnt, denn mit 49 $ für das Einsteiger- und 99 $ für das Profipaket empfinde ich die Preise derzeit noch als sehr teuer. Wie viele Icons verwendet eine durchschnittliche Seite schon? Wenn das Einbinden von ein paar Icons am Ende genau so viel kostet, wie die vollständige Schriftbibliothek von Typekit, werden die meisten mit Sicherheit weiterhin auf angepasste Pixelgrafiken zurückgreifen. Pictos macht sich mit seinen Vektor- und Pixelsets selbst Konkurrenz. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier langfristig preislich noch etwas tut.

Nachtrag vom 25. Januar 2012: Das ging schnell – nun gibt es auch ein zusätzliches Starterpaket für 19 $.

Der Name ist Sherlock Holmes

London à la Sherlock

Das Fernsehen der letzten Jahre hat mich nur selten beeindruckt, und so ist es dem Zufall zu verdanken, dass ich kurzfristig die Ankündigung las, Das Erste würde abends die „in Großbritannien umjubelte“ BBC-Serie Sherlock ausstrahlen. Ein Glücksgriff.

Bis dahin hatte ich noch nichts von dieser Neuadaption des Klassikers von Sir Arthur Conan Doyle gehört, doch meine stille Liebe zu britischem Humor und englischen Krimiserien machte mich neugierig. Es sollte ein Fernsehabend werden, der mich nachhaltig faszinieren sollte: Mit der Serie Sherlock holt die BBC nicht nur Arthur Conan Doyles Erzählungen in die Neuzeit, sondern beeindruckt mit einer ungewöhnlich verzahnten Bild- und Textsprache.

Die Modernisierung des Stoffes erfolgt fast nebensächlich. Ich vermag nicht einzuschätzen, wie eingefleischte Sherlock-Holmes-Fans die Serie aufnehmen, denn sie ist aus meiner Sicht tatsächlich ein Bruch mit dem Klischee des Holmes wie man ihn kennt. Nikotinpflaster anstelle einer Pfeife, Taxis und Busse anstelle des historischen, viktorianischen Londons. Dieser Sprung ins Getümmel der Großstadt mit ihren Glasfassaden tut der Serie gut: Es ist jetzt scheinbar eine Krimiserie wie jede andere, nur dass sich niemand amüsiert, dass da jemand Sherlock Holmes und Doktor Watson heißt.

Was die Reihe von anderen unterscheidet, ist die Einführung einer zusätzlichen Ebene: Schlussfolgerungen Sherlocks, Textnachrichten und das Internet legen sich als Zusatzerzählung in Texteinblendungen über den Film.1 Es wird davon ausgegangen, dass der Zuschauer ganz selbstverständlich die Verbindung herstellt, wenn Textnachrichten an der Wand hinter John Watson erscheinen oder wenn Sherlock per Gestensteuerung den Wetterbericht auf seinem Smartphone abruft. Text und Bild verschmelzen, lästige Gegenschnitte mit Nahaufnahmen von Handys oder Computern erübrigen sich.2 Diese Engführung der Text- und Bildebene schafft eine ungewöhnlich dichte Fernsehästhetik, die das Erzähltempo hoch hält.3 Handlung und Gedanken der Hauptpersonen spielen sich so auch für den Zuschauer zeitgleich statt.4

Auch wenn der Audiokommentar der DVD anderes andeutet, ist diese Darstellungsform nicht neu. Bereits MK12 griff für den Hollywood-Film „Schräger als Fiktion“ auf diese Methode zurück, um die von Struktur und Zahlen geprägte Welt des Harold Crick zu visualisieren:

Nichtsdestotrotz ist die Umsetzung bei Sherlock gelungen, denn sie wird nicht als bloßer Effekt sondern als die Handlung tragendes Element eingesetzt.

Schrifttausch in der deutschen Fassung

Ein interessantes Detail ergibt sind in der deutschen Fassung der Serie: Die für die Texteinblendungen verwendeten Schriften werden ausgetauscht, teils auch vereinheitlicht. Kommen im Original die AF Generation Z und P22 London Underground zum Einsatz,5 greift die deutsche Übertragung fast ausschließlich auf die FF Officina zurück. Eine Ausnahme bilden die Übersetzungen von Blogeinträgen, die im Englischen allerdings nicht als Einblendung gezeigt, sondern vom Laptop abgefilmt werden.

Nun muss ich persönlich zugeben, dass mir die Typografie der deutschen Version besser gefällt – sie wirkt präziser gesetzt, ausgewogener. Allerdings verschiebt sich die inhaltliche Bedeutung der Einblendungen. Nicht in dem Sinne, dass die deutsche Übersetzung falsch wäre, nein, aber mit den verwendeten Schriften sind unterschiedliche Assoziationen verbunden.

Denn das Original setzt zwei Zeichen: Die AF Generation Z verweist einerseits auf die Generation Internet mit Ihren Handys und Mobilgeräten, andererseits setzt die P22 London Underground ein klar britisches Ausrufungszeichen. Beide Schriften passen trefflich zur Serie, denn sie unterstreichen sowohl den Aspekt der Modernisierung als auch die Zugehörigkeit der Figuren zur Stadt London.

Die deutsche Version spart den britischen Aspekt gänzlich aus und mit der FF Officina wählt sie eine Schrift, die auf die Zeit vor dem Handy und der weiten Verbreitung des Internets verweist. Erik Spiekermann, der Entwerfer der Schrift, schrieb in anderem Kontext auf seinem Blog:

[G]edacht war die Schrift damals Ende der 80er Jahre für die Kor­re­spon­denz, als Ersatz für die Schreib­maschi­nen­schrift, mit der sie etliche Merk­male teilt.

Es würde mich interessieren, aus welchen Gründen für die deutsche Fassung diese Anpassung vorgenommen wurde. Zufall oder Konzept? Ich weiß es nicht.

Weiter geht’s

In Großbritannien ist soeben die zweite Staffel gestartet, die bei uns im Sommer im Ersten gezeigt werden soll. Wer Spaß an Sherlock hat, kann sich derweil die Zeit auf der Webseite Sherlockology vertreiben, die alles Mögliche rund um den einzigen „consulting detective“ sammelt.

  1. Leider gibt die BBC auf Anfrage keine Standbilder zur Verwertung frei, weshalb ich nur auf den offiziellen Trailer von Polyband verweisen kann, der zumindest einige wenige Einblendungen beinhaltet. 

  2. So erfrischend auch der Umgang mit Texteinblendungen ist, so sehr erschreckt es, wenn tatsächlich einmal Computerinterfaces im Bild zu sehen sind. Die gestalterische Arbeit wirkt hier wie von vorgestern, wie aus einer deutschen Krimiserie der 90er Jahre. Die Anspielungen sind klar: Mephone anstelle von Mobile Me – man hätte sich hier visuell vom Vorbild jedoch einiges abschauen können. 

  3. Unterstützt wird das Tempo durch einen sehr fließenden Schnitt, der mit Überblendungen und Einschüben arbeitet. Auch die sehr moderne, kinoartige Musik mit ihrem treibenden Rhythmus tut ihr Weiteres. 

  4. All dem muss ein langer, kreativer Prozess vorangegangen sein, denn die vor kurzem erschienene DVD beinhaltet den nicht ausgestrahlten Pilotfilm der Serie, der einen erstaunlich offenen Einblick in die Entstehung und Verfeinerung eines Fernseherlebnisses gibt. 

  5. http://www.yebbs.org/yebluenote/?p=316 

Neustart 2012

In den vergangenen Monaten ist es auf dieser Seite ziemlich ruhig gewesen, denn hinter den Kulissen haben wir fleißig gearbeitet, um hier alles ein bisschen zu straffen und für weitere Änderungen vorzubereiten.

Einige alte Artikel und Funktionen fehlen noch, diese werden wir nach und nach ergänzen. Ziel ist es die Seite kontinuierlicher weiterzuentwickeln, sowohl gestalterisch als auch inhaltlich. Johannas Seite zeigt sich ebenfalls in neuen Gewand.