Das Fernsehen der letzten Jahre hat mich nur selten beeindruckt, und so ist es dem Zufall zu verdanken, dass ich kurzfristig die Ankündigung las, Das Erstewürde abends die „in Großbritannien umjubelte“ BBC-Serie Sherlockausstrahlen. Ein Glücksgriff. Weiterlesen …
Eigentlich bin ich für einen Jahresrückblick reichlich spät. Aber es ist viel passiert, das eine kleine Verzögerung entschuldigt. Also, was war 2011 so bemerkenswert? Weiterlesen …
Unser digitales Zeitalter führt zu Fragen, die früher nicht gestellt werden mussten. Digitale Lesegeräte eröffnen neue Möglichkeiten, die das Buch erweitern werden. Dafür ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, was das Buch eigentlich ausmacht und was nicht. Weiterlesen …
In den letzten Tagen ist viel von Meinungswechsel und Kehrtwende die Rede: „Nun also doch Gauck als Präsident“. Interessant fand ich zu beobachten, wie zügig sich zeitgleich die Meinung auf Twitter zu ändern schien: von contra Wulff zu contra Gauck.
Konkret ging es um den Vorwurf, Herr Gauck stünde im Widerspruch zu so ziemlich allen der sogenannten Netzgemeinde wichtigen Themen. Mich hat das ein bisschen verwundert, es ging mir etwas zu plötzlich, denn ich habe Joachim Gauck bisher als abwägenden Menschen wahrgenommen. Seltsamerweise verbreitete sich die auf Twitter gestartete Welle auch unreflektiert in den klassischen Medien beziehungsweise ihren Onlineablegern. Kurz darauf stieß ich – wieder über Twitter – auf einen Beitrag von Patrick Breitenbach auf dem Blog der Karlshochschule, der diese Entwicklung aufgriff und beleuchtete:
Als sich gestern im Laufe des Tages solche Schlagzeilen gegen Gauck mehrten, machte ich aus meiner Verwunderung eine Tat: Ich begab mich auf die Suche nach den jeweiligen Originalquellen, denn die einzigen Artikel, die immer wieder als Quelle zum Beleg und Unterfütterung der Anti Gauck Aussagen verwendet wurden, waren eben die, die eine Quelle fragmentarisch interpretiert haben und sie nicht 1:1 in voller Länge wiedergaben. Oder anders formuliert: Ich vermisse bei diesen Artikeln den Satz davor und den Satz danach, denn der Kontext eines Gespräches ist schon wichtig, um sich ein Gesamtbild des Themas zu verschaffen, gerade wenn Aussagen aus einer Rede oder einer Podiumsdiskussion entnommen werden.
Ein interessantes Stück Recherchearbeit. Darauf Bezug nehmend gibt es mittlerweile ähnliche Beiträge bei Cicero und Spiegel Online, das ein schönes Fazit findet:
Die deutschsprachige, digitale Öffentlichkeit – Netzgemeinde wie Online-Medien – muss sich in Teilen einen Vorwurf machen lassen, den sie mit Vorliebe Dritten vorhält: mangelnde Online-Kompetenz. In diesem Fall fehlende Kenntnis darüber, wie einer der wichtigsten Bausteine des Internet, das Zitat, richtig zu verwenden ist. Abraham Lincoln wäre sehr enttäuscht.
Genau so, wie man „den Medien“ sagen muss, dass „Internet“ oder „Youtube“ als Quellenangabe nicht reichen, muss man „dem Netz“ auch sagen, dass ein Tweet noch keine Wahrheit macht. Twitter ist wahrlich wie Stille Post und wir alle wissen, wie viel dabei am Ende vom Anfang übrig bleibt. Aber wenn wir dann auch noch retweeten, ohne die Dinge zu hinterfragen, sind wir die Klatsch- und Traschtanten des Stadtteils.
Netz hin oder her, wir sollten alle das Nachdenken nicht vergessen.
Vor anderthalb Jahren begann das Projekt Selbstständigkeit, vor einem Jahr folgte die Gründung des Büros für Web- und Textgestaltung. Nun gibt es einen überarbeiteten Internetauftritt, der uns und unsere Projekte vorstellt: hananils.de.
Der zentrale Gedanke unserer Seite war es, zwei Bereichen eine Bühne zu schaffen:
Unseren Projekte, denn Sie sind das, was wir machen.
Unseren Ideen, denn Sie sind der Grund warum wir so arbeiten, wie wir es tun.
Da alles möglichst kompakt dargestellt werden sollte, haben wir uns für einen kombinierten Seitenaufbau entschieden, der die Projekte oben und die Texte unten zeigt – unser Kontakt dient als Schieber zwischen beiden Teilen und soll einen zunächst unauffälligen, dann überraschenden Übergang beider Ebenen ermöglichen. Die Umsetzung ist ein kleines Experiment, denn die Zweiteilung des Layouts baut sich über das Scrollen der Seite auf: URLs müssen dynamisch geändert, Inhalte bei Bedarf nachgeladen werden. Ein mehrseitiges Layout versteckt sich auf einer einzigen Seite, und kommt doch ohne Hash-URL à la Twitter aus (#!).
Das Experiment hat Spaß gemacht, auch wenn – wie immer – die Feststellung gilt, dass man sich selbst der schlechteste Auftraggeber ist.
Wer Interesse hat, wie wir die Seite technisch umgesetzt haben, kann einen Blick in den Quelltext werfen. Wir sind für Fragen und Anregungen offen.
Im vergangenen Herbst brachte der britische Guardian seine Zeitung auf das iPad. Reichlich spät könnte man meinen, doch die Macher haben sich mit gutem Grund Zeit gelassen: die App ist die erste Tageszeitung auf dem iPad, die mich wirklich überzeugt.
Die iPad-Version startete mit einer großzügigen Testphase bis Anfang dieses Jahres, so dass es möglich war, sich wirklich über einen längeren Zeitraum einen Überblick zu verschaffen. Die Gestaltung ist modern, dem Gerät angemessen, sie versucht nicht die Zeitung aus Papier nachzuahmen. Und dennoch geht der visuelle Stil des Guardians nicht verloren, was insbesondere auf die bekannte Schrift- und Farbwelt zurückzuführen ist. Artikel sind als Seiten nebeneinander angeordnet, die Texte selbst scrollbar – wunderbar!
Die Einfachheit und Gradlinigkeit der Guardian-App wird für eine ganze Weile (ähnlich wie die iPhone-Version zuvor) Inbegriff dessen sein, wie die Dinge gemacht werden sollten.
Gute Icons zu erstellen ist eine hohe Kunst. Ein gelungenes Set, das sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreut, ist Pictos von Drew Wilson. Jeder, der auch nur ein bisschen im Netz surft, wird es zumindest auszugsweise schon einmal gesehen haben. Nun gibt es ein neues Angebot, das die Icons als personalisierbaren Webfont bereitstellt: Pictos Server.
Ähnlich wie bei den Webschriftanbieter Typekit oder Fontdeck werden die Icon-Schriften über einen kurzen Code-Schnipsel in eine Webseite eingebunden. Dabei lassen sich die integrierten Icons gezielt auswählen. Für Webdesigner eröffnet dies neue Möglichkeiten, denn Icon-Fonts verbrauchen wenig Speicherplatz: sie laden schneller als statische Grafiken und lassen sich zudem ohne Qualitätsverlust skalieren. Einen interessanten Beitrag gab es hierzu in der Adventszeit von Jon Hicks zu lesen, der sich für eine Einbindung die neuen data-Attribute zu Nutze machte. Auch wenn, wie Eric Eggert in einer Antwort deutlich machte, noch einige Probleme zu lösen sind, entwickeln sich die Möglichkeiten von Webicons in eine interessante Richtung.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, für wen sich der Service von Pictos Server lohnt, denn mit 49 $ für das Einsteiger- und 99 $ für das Profipaket empfinde ich die Preise derzeit noch als sehr teuer. Wie viele Icons verwendet eine durchschnittliche Seite schon? Wenn das Einbinden von ein paar Icons am Ende genau so viel kostet, wie die vollständige Schriftbibliothek von Typekit, werden die meisten mit Sicherheit weiterhin auf angepasste Pixelgrafiken zurückgreifen. Pictos macht sich mit seinen Vektor- und Pixelsets selbst Konkurrenz. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier langfristig preislich noch etwas tut.
Nils Hörrmann arbeitet als Autor und Gestalter im Büro für Web- und Textgestaltung. Gemeinsam mit seiner Frau Johanna und Sohn Max lebt er in Braunschweig. Von Web bis Gestaltung, von Bild bis Erzählung, dies ist seine digitale Welt.